Eishaare und Neugier

Vor ein paar Wochen hatten wir im Kindergarten eine spannende Entdeckung: An alten, morschen Ästen waren über Nacht seltsame Haare gewachsen!
Was kann das nur sein? Die Kinder und wir überlegten fieberhaft. Einige hofften auf Zuckerwatte, die der Wald für besonders liebe Wald-kinder wachsen lässt. Leider ergab der Geschmackstest: Kein Zucker, sondern Wasser!

Da Weihnachten kurz bevorstand hatten einige die Idee, dass evtl ein paar Engel beim durch den Wald fliegen mit den Haaren an den Ästen hängen geblieben sein müssten. Oder die Waldwichtel lassen so ihre Bärte wachsen und kommen sie pflücken. Ideen, die ich eigentlich am liebsten so stehen lassen würden.

Mein Forscherdrang ließ mir aber nun doch keine Ruhe. In meinen Naturführern fand ich keine Antwort, also befragte ich doch das liebe Internet. Doch nach was suchen, wenn mensch nicht mal weiß, wie es heißt? Schließlich suchte ich nach „Haareis“ und wurde tatsächlich fündig:

„Haareis, auch Eiswolle genannt, besteht aus feinen Eisnadeln, die sich unter bestimmten Bedingungen auf morschem und feuchtem toten Holz bilden können. Wie das geschieht, war lange ein Rätsel.“ (faz.de).

Mittlerweile hat mensch herausgefunden, dass sich ganz selten in Totholz von Laubbäumen, in denen der Pilz „Exediopsis effusa“ wohnt, unter ganz speziellen Bedingungen (wenn die Temperatur knapp unter 0 °C liegt, die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist und es windstill ist) das sogenannte „Haareis“ bildet. Davon gibt es mittlerweile sogar ein spannendes Zeitraffervideo. 

Aber wie genau diese Haare entstehen ist (zum Glück?) immer noch nicht ganz geklärt. Vielleicht ists einfach mal auch okay, nicht alles zu entzaubern?
Ich versuche oft bei Fragen der Kinder durch das Stellen von Gegenfragen herauszufinden, wo das Kind gerade steht, was es braucht. Will es sich einfach nur gemeinsam mit mir mit der Natur beschäftigen und das ich mit meinem ganzen Ich bei ihm bin? Oder, dass ich mit ihm in seine Fantasiewelt mit eintauche? (diese Gelegenheit sollte sich kein „Erwachsener“ jemals entgehen lassen! 🙂 )
Oder ist es an naturwissenschaftlichen Begebenheiten interessiert, will genau wissen, was hier geschieht? Auch hier übe ich mich oft darin, nicht die von der Allgemeinheit als „korrekt“ anerkannte Antwort zu sagen. (Davon abgesehen, dass mensch eh nur einen so geringen Teil dieser bezaubernden Welt versteht und „weiß“.) Sondern durch gegenseitige Fragestellen an das vorhandene Wissen der Kinder anzuknüpfen und durch das Einbinden möglichst vieler Sinne und das „Ausprobieren“ das „Wissen“ zu beleben.

Oft gelingen hier spannende Wanderungen zwischen Fantasie und „Wissenschaft“, eine wunderschöne Mischung aus „der Waldwichtel lässt aus Zauberholz Eisfäden wachsen“, etc.
Leider gibt es hier oft von anderen Erwachsenen kritische Kommentare. Speziell Vorschulkinder MÜSSEN doch „die Wahrheit ™“ wissen, ich kann sie doch nicht ewig in ihrer falschen Fantasiewelt lassen, das bringt im späteren Leben nur Nachteile.

Wie siehst du das? Ab wann muss ein Kind die Fantasie Fantasie sein lassen? Muss es das überhaupt? Kann eine Fantasiewelt heutzutage parallel existieren? (Ab wann) sollte mensch die Kinderwelt „entzaubern“?

P.S.: Ich selbst halte übrigens stark an der „Waldwichtel lässt Eishaare wachsen“ -Theorie fest! 😀

Eiswolle an einem morschen Ast

 

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